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Erziehungsprobleme
Erziehungsprobleme

Erziehungsprobleme

 

"Ich erziehe meine Tochter antiautoritär, aber sie macht trotzdem nicht, was ich will." (Nina Hagen, Rocksängerin)

 

„Alle geben den Eltern Schuld an den Problemen der Jugend und an den Schwierigkeiten, die junge Menschen der Gesellschaft zu verursachen scheinen. Die Eltern haben an allem schuld, klagen die Psychologen nach Untersuchung der beängstigenden Statistiken über die rapide zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die schwerwiegende oder lähmende emotionale Probleme entwickeln, zu Rauschgiftsüchtigen werden oder Selbstmord begehen. Politiker und Strafvollzugsbeamte beschuldigen die Eltern, eine Generation von undankbaren, Rebellen, Protestierenden, Hippies, Demonstranten und Wehrdienstverweigerern heranzuziehen. Und wenn die Kinder in der Schule versagen oder hoffnungslose Drop-outs werden, behaupten Lehrer und Schulverwaltung, dass die Eltern daran schuld haben. 

Wer aber hilft den Eltern? Was wird getan, um die Eltern dabei zu unterstützen, in der Kindererziehung erfolgreicher zu werden? Wo können Eltern lernen, was sie falsch machen, und was sie anders tun könnten?

 

Eltern werden beschuldigt, aber nicht geschult.

Millionen neuer Mütter und Väter übernehmen jedes Jahr eine Arbeit, die zu den schwierigsten zählt, die jemand haben kann; sie bekommen ein Kind, einen kleinen Menschen, der fast vollkommen hilflos ist, und nehmen die volle Verantwortung für sein physisches und psychisches Wohl auf sich, um ihn zu erziehen, auf dass er ein produktiver, kooperativer und mitwirkender Bürger werde. Gibt es eine schwierigere und anspruchsvollere Aufgabe?“

 

(aus: Thomas Gordon: Familienkonferenz. Wilhelm Heyne Verlag GmbH&Co.KG, München, 1989, S.11)

Damit den Kindern das Leben gelingt, haben wir für Sie einige Denkanstöße zur Erziehung in der Familie zusammengestellt, die Ihnen bei dieser schwierigen, aber auch schönen Aufgabe helfen sollen.
Interview mit der Pädagogin Trudi Kühn, einer der Herausgeberinnen des STEP-Programms in Deutschland, über Bauchgefühl und Konsequenz in der Erziehung – und ihren wichtigsten Tipp für Mütter und Väter:
Können Eltern, die ihre Kinder lieben, etwas Schwerwiegendes falsch machen?  Sicher ist Liebe für unsere Kinder die Basis, auf der alles Gute – also auch gute Erziehung –
gedeihen kann. Die Realität zeigt jedoch, dass Liebe allein oft nicht genügt.
Sie meinen das Verwöhnen?  Auch. Generell beginnt das Problem dort, wo Liebe missverstanden wird und deshalb unangemessen zum Ausdruck kommt, z.B. durch Verwöhnung, die abhängig macht: bedienen, statt dem Kind die Chance zu geben, selbstständig zu werden, oder grenzenloses Gewährenlassen, ohne gleichzeitig Verantwortung zu übergeben. Die Eltern sind nicht glücklich darüber, verhalten sich aber trotzdem so, weil sie keinen anderen Weg kennen.
Wo ist das berühmte Bauchgefühl geblieben, die Intuition – gibt es das gar nicht mehr?  Bei der Erziehung sind Herz und Verstand gefragt. Unsere globale Welt ist komplexer und schneller denn je. Es ist schwer, Schritt zu halten und sich in der Hektik des Alltags auf seinen gesunden Menschenverstand zu besinnen. Bei vielen ist er zusammen mit Intuition und Bauchgefühl zwar vorhanden, aber verschüttet unter sich widersprechenden Ratschlägen und verschiedenen Theorien.
Die meisten Eltern klagen über Dauerstress...  Genau. Wir agieren oft aus Stresssituationen heraus, die keinen Raum zur Wahrnehmung des
Bauchgefühls lassen. Der Stress gibt den Ton an. Bei STEP lernen die Eltern, auch in solchen Lagen Herz und Verstand zu benutzen.
Was sind Ihrer Erfahrung nach heute die vorrangigsten Erziehungsfehler?  Das größte Dilemma besteht darin, dass Eltern zwischen zwei Erziehungsstilen schwanken – autoritär und laissez faire. So können sie nicht konsequent sein und verunsichern ihre Kinder dadurch, dass sie selbst unsicher sind. Daraus resultieren fast alle Probleme: Eltern sind sich oft nicht über ihre Grenzen im Klaren. Sie entscheiden nach Tagesstimmung, was die Kinder verwirrt, da es die Eltern unberechenbar macht. Hinzu kommt, dass viele das notwendige Nein - Sagen mit Liebesentzug verwechseln – und es deshalb fatalerweise ganz lassen. Auch fehlen in vielen Familien Rituale, die es für alle leichter machen, sich zu orientieren. Einweiterer Fehler ist, dass Eltern überfürsorglich sind, dabei aber übersehen, wie wichtig es ist, den Kindern mehr Freiräume zu gewähren, je älter sie werden.
Setzen heute nicht auch viele Erwachsene zu große Erwartungen in ihren Nachwuchs?  Auch das. Und sie empfinden dann andererseits enttäuschtes Desinteresse, wenn es nicht so läuft, wie sie möchten. Liebe zu zeigen heißt, das Kind in seiner Individualität anzunehmen und zu respektieren, seine Bemühungen anzuerkennen, seine Stärken zu fördern, aber nicht eigene verpasste Lebensträume durch das Kind erzwingen zu wollen.
Wenn Sie Eltern nur einen einzigen, wichtigen Rat geben dürften – welcher wäre das?  Entscheidend in der Erziehung ist, die Kinder als eigenständiges Wesen zu lieben und sie als solche wertzuschätzen. Das tun wir, indem wir echtes Interesse an ihnen und ihrem Leben zeigen, sie liebevoll-konsequent auf ihrem Weg ins Leben mit Ermutigung, Grenzen und Regeln begleiten und sie aus den Folgen ihrer Entscheidungen lernen lassen: Wir geben Liebe, Freiräume und Orientierung.

Wie wir geschickte Eltern werden

 

Nichts stellt unsere Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung auf so harte Probe wie die Kindererziehung. Wir sollten nie vergessen, dass es nicht die konkrete Methode schlechthin gibt, Vater oder Mutter zu sein. Wir können in unserer Elternrolle bessere oder weniger kluge Entscheidungen treffen. Mitgefühl ist hier wohl wichtiger als in jedem anderen Bereich unseres Lebens - insbesondere Mitgefühl mit uns selbst, wenn wir erkennen, wie viel wir noch lernen müssen. Je mehr Selbstakzeptanz Sie für sich als Vater oder Mutter entwickeln können, je mehr Sie bereit sind, Ihr Bestes zu geben und dabei kontinuierlich dazuzulernen, desto besser können Sie Ihren Kindern als Vorbild dienen.


Wir werden mit erzieherischen Fähigkeiten weder geboren, noch entwickeln wir sie in der Pubertät oder bekommen sie bei der Geburt unseres ersten Kindes in Form einer handlichen Gebrauchsanweisung mitgeliefert. In unseren elterlichen Fähigkeiten spiegeln sich unsere  augenblicklichen Emotionen und unsere Kommunikationsfähigkeit sowie das Bedürfnis, uns mitzuentwickeln, wenn unser Kind heranwächst und sich verändert. Unsere erzieherischen Fähigkeiten zeigen, wie bewusst wir uns darüber sind, wie wir denken, fühlen und uns verhalten, uns selbst und unseren Kindern gegenüber.

 

Eltern, die mehrere Kinder haben, werden wahrscheinlich feststellen, dass sie auf jedes Kind unterschiedlich reagieren, je nach:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Beziehungsstil
  • Persönlichkeit
  • Interaktion innerhalb der Familie u.s.w.

Einfache Phasen gibt es in der Erziehung nicht. Jede Phase bietet Herausforderungen und Gelegenheiten zum Lernen. Wir Eltern entwickeln uns mit unseren Kindern.

 

Theorien über die Erziehung
Vor der Geburt des Kindes verfügen Eltern über bestimmte Erfahrungen und Annahmen, die als theoretische Ausgangsbasis für die vor ihnen liegenden Aufgaben dienen. Das ist unser wahrnehmungsbezogenes System von Ansichten darüber, was es bedeutet, Mutter oder Vater zu sein. Es besteht aus einer komplexen Mischung von Vorstellungen, die wir entweder akzeptieren oder ablehnen und aus folgenden Quellen beziehen:

  • Eigene Kindheitserfahrungen
  • Verhalten und Verhaltensweisen unserer Eltern
  • Beziehungen zwischen Eltern und Großeltern
  • Ratschläge aus Büchern und von Experten
  • Beobachtungen, die wir bei Menschen in unserer Umgebung machen
  • Einflüsse und Einstellungen, die die Medien vermitteln
  • Wertesysteme im größeren Familienverband
  • peer-groups

Aus der Vergangenheit lernen
Die meisten Probleme, die wir als Erwachsene haben, rühren von Kämpfen in unserer Kindheit her, aus denen wir noch keine Lehren gezogen haben. Ein begrabener Konflikt ist niemals ein gelöster Konflikt. Wenn Sie selbst Kinder haben, werden die alten Probleme höchstwahrscheinlich prompt wieder auf den Tisch kommen. Dabei ist es sehr wichtig, nicht zu vergessen, dass Sie auch mit Ihren eigenen Eltern Mitgefühl haben müssen. So ungeschickt deren Verhalten damals auch gewesen sein mag - sie haben nach bestem Gewissen gehandelt.

 

Veränderungschancen akzeptieren
Unsere Elternrolle eröffnet uns die Möglichkeit, noch einmal auf unsere Kindheitserfahrungen zurückzublicken und dabei eine andere Perspektive zu gewinnen als die, die wir als Kind hatten. Viele junge Eltern sagen ihren eigenen Müttern und Vätern, dass sie jetzt endlich die Schwierigkeiten verstünden, mit denen diese damals zu kämpfen hatten. Die gemeinsame Erfahrung der Elternschaft bietet eine gute Gelegenheit, alte Auseinandersetzungen aufzuarbeiten und neue Beziehungen als gleichberechtigte Erwachsene aufzubauen.

 

Gute und schlechte Lektionen erkennen
Wir alle haben erzieherische Fähigkeiten von unseren eigenen Eltern gelernt. Das kann in zweierlei Hinsicht geschehen sein:
Wir stellen fest, was in unserer Kindheit positiv und was negativ war und versuchen, die positiven Beispiele an unsere Kinder weiterzugeben. Das gibt uns Gelegenheit, die positiven Erfahrungen zu würdigen, die wir gemacht haben. Wir können schwierige Bereiche erkennen und aus ihnen lernen, wie man es nicht machen sollte. Das bedeutet, dass wir eine negative Erfahrung aus unserer Vergangenheit in eine Positive für unsere Gegenwart und Zukunft umwandeln. Unsere eigene Kindheit ist eine wertvolle Quelle, aus der wir schöpfen können, wenn wir unser erzieherisches Geschick entwickeln wollen. Wichtig ist dabei vor allem die Erkenntnis, dass unsere Kindheit uns zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind - gleich, ob wir sie vorwiegend als unbeschwert oder als schwierig empfunden haben. Die Vergangenheit können wir zwar nicht ändern - aber die Lehren, die wir aus ihr ziehen, können wir im Umgang mit unseren eigenen Kindern voll und ganz nutzen.

 

(Quelle: "Das kann ich schon allein" Wie Sie Potenziale Ihres Kindes fördern. Sylvia Clare, Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2001, S.83-86)

 

Elternkurse

Elternkurse können helfen, Erziehungsprobleme zu vermeiden oder zu lösen. Außerdem bieten die Kurse eine gute Gelegenheit, mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Folgende Kurse haben sich in der Praxis bewährt:

Mehr Infos unter:
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Kurse in Dresden:
Schwangeren-, Familien- und Beratungszentrum »NEUES leben« (AWO), Schaufußstraße 27,
01277 Dresden,
Tel. 0351 - 8015018,
eMail: kontakt@anke-wegener.de
www.anke-wegener.de/
Gordon-Familientraining.html 
Mehr Infos unter:
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